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Soziale Sprache

Kommunikation mit einem Tier und von Tieren untereinander ist ein frei schwebendes System (free floating system).


Ein Mensch, der natürliche Kommunikation erlernt, wird auch lernen, darauf zu vertrauen, dass dieses System auch trägt. Er wird lernen, sich auf Natur und Ökologie zu verlassen.

Es genügt, authentisch zu sein und das Netz (ecological web) wird ihn halten und tragen.


Ich erwähne hier den englischen Ausdruck „web“, weil web mehr bedeutet, als nur ein geknüpftes Netz mit einzelnen Strängen. Ein „Web“ ist komplexer. Ein Web kann Systeme in sich haben (wie eine Galaxie mehrere Sonnensysteme enthalten kann) und ist vielschichtiger als ein Netz. Die deutsche Sprache hat dafür kein Wort.


Wie immer, wenn man natürliche Vorgänge beschreiben will, wird man sich der ökologischen Unzulänglichkeit von abstrakter Sprache bewusst. Körpersprache, Emotion und Beziehung als soziale Sprache sind da klar im Vorteil. Jede Nuance kann aufgenommen und übermittelt werden.

Versucht der Mensch, beim Versuch, soziale Kommunikation zu erlernen, auf einzelne kausale Stränge zu treten, wird er spüren, dass kein einzelner Strang ihn hält; es ist nur die Gemeinschaft aller Stränge, die das schafft.
Bei allen Emotionen, die in sozialer Sprache vermittelt werden, ist in dieser Situation eines sofort offensichtlich: Angst hat hier keinen Platz.

 

Ein Mensch hat in einer so komplexen Situation, die er zu Beginn nicht kognitiv erfassen kann, gerne Angst. Angst ist „Nichtemotion“. Angst löst Notprogramme aus. Angst ist bei Tieren nicht vorhanden.


Intuition als Leitfaden wird den meisten Menschen im Laufe ihres Lebens aberzogen.

Sich einfach auf das Gefühl zu verlassen ist eine Kunst, die immer weniger Menschen beherrschen.
Die kognitive Absicherung mit der zweitbesten Lösung - das aus der Verantwortung gehen - ist die obsolete Lösung, mit der Intuition ersetzt wird.


Tiere schärfen ihre Emotionen, ihr Gefühl für Leben. Je mehr Erfahrungen sie sammeln, desto sicherer werden sie.
Sie sichern sich niemals ab, sie gehen immer in die volle Verantwortung.

Das interessante an der Angst des Menschen (Angst hat man immer gegenüber Diffusem, Unerklärbarem) ist, dass er Angst vor etwas hat, das er für diffus hält, obwohl es das gar nicht ist. Es ist lediglich komplex.


Ökologie entzieht sich menschlicher Logik und Kapitalismus.


Einfache Mathematik hilft in emotionalen Fragen nicht. 7 Liebe ist nicht besser oder mehr als 1 Liebe. Liebe ist Liebe, die hat man eben. Liebe ist, eins sein mit der Welt.


Emotionen mit Kapitalismus zu ersetzen (2 Leckerli sind besser als 1 Leckerli und kein Leckerli ist die Strafe) hat zur Folge, dass Gefühle durch Anerkennung und Besitz ersetzt werden. Beziehungen können auf dieser Basis nicht auf Augenhöhe geführt werden.

Die Angst des Menschen vor der Ungewissheit im tierischen Bereich ist vollkommen unbegründet.
Ist er sich der Grundregeln natürlicher Kommunikation bewußt, kann er, wie das Tier auch, auf die Regeln der Natur vertrauen. Diese gelten für alle, nicht nur für Tiere.


Dann mag er den ersten Schritt fürchten (Furcht bezieht sich auf etwas Konkretes), kann aber durch Erfahrungen und Begleitung zu Verhaltens-Sicherheit gelangen.


Ist der Punkt erreicht, an dem er INTUITIV über alle Parameter GLEICHZEITIG kommuniziert, kann er von sich aus ohne Unterstützung wahrnehmen und den Hund als Lehrer von Ökologie akzeptieren.


Ökologie verhält sich so, dass man sich im vielschichtigen vernetzten web orientieren kann.
Intuition ist bei komplexen Aufgaben die beste Lösung, denn sie ist ebenso vielschichtig.
Kognitive Beweise sind unnötig. Kognition stört die Schwingung und das Fließen im web.

Wenn Tiere nicht wissen, was sie tun sollen, lassen sie sich in das ecological web fallen mit der klaren Erkenntnis, dort auch aufgefangen zu werden.


Ihr Bewusstseinszustand ähnelt dabei eher einer aktiven Trance als dem bewussten Denken und Studieren.


Zeit ist in der Ökologie anderen Rhythmen unterworfen und ist nicht linear, deshalb kann man dort zum Beispiel eines nach dem anderen tun und dennoch gleichzeitig handeln.

 

In der natürlichen, vorgesehenen Reihenfolge, verbunden mit dem Entwicklungsrhythmus des Gegenübers (Empfängers), ist es aus ökologischer Sicht ein Vorgang, der sich getakteter Zeit entzieht.

 

Wer auf genetischer Basis kommuniziert, wird den Regeln gegenüber stehen, die er aus dem Gefühlsbereich kennt. Genetik kommt aus der Vergangenheit und ist ein Wissenspool, der im Moment und in der Zukunft gleichermaßen wirkt.

 

Innerhalb des webs eben auch gleichzeitig.


Ökologische, soziale Kommunikation wirkt durch 2 Generationen durch.

Angst wird durch Vertrauen in die eigene Natur unmöglich.
Das eigene Ego verliert an Bedeutung.


Das Tier braucht nur die Nachricht, auch ein Tier zu sein (meist schließt Mutterkontakt soziale Gene auf) und wird vertrauensvoll kommunizieren.


Wer kognitiv und logisch abgesichert versucht, in einem solchen System zurechtzukommen, wird zwangsläufig scheitern und „durchfallen“ - im wahrsten Sinne des Wortes.


Es kommt zu einem kognitiv angstvollen Klammern an einzelne Stränge des Netzes; das Netz gerät in Schieflage.

Ein Mensch, der lernt mit einem Hund auf Basis des genetischen Codes des Hundes zu kommunizieren, macht so ganz nebenbei die Erfahrung, dass man sich auf Ökologie und Natur felsenfest verlassen kann, dass bei einem authentischen Tausch der Beziehungen ein noch stärkeres, dichteres ökologisches Netz entsteht, als es zuvor der Fall war.

In der Praxis heißt das: Sie müssen jeden Parameter, den Sie unter der Rubrik „Soziale Sprache“ finden, ununterbrochen und gleichzeitig gleichwertig in Ihr Leben aufnehmen, ähnlich einem Fahrradreifen. Jede einzelne Speiche gilt es, unter gleichmäßiger Spannung zu halten. Sie müssen permanent alle Speichen gleich angezogen haben. Ist auch nur bei einer Speiche die Spannung verändert, zu weich oder zu hart, eiert das komplette Fahrrad.


Es ist die innere Haltung, die am Anfang und am Ende sozialer Kommunikation steht.

In der Realität heißt es aber noch etwas:
Soziale Sprache ist eine intuitive, eine emotionale Sprache.
Es geht um Respekt und Vertrauen.
Es geht um Intuitivsysteme, die immer komplett und ganz sein müssen, um zu sein, was sie sein sollen.

Sind sie nicht ganz, sind sie etwas anderes.


In Intuitivsystemen darf es nie einen Haarriss geben.

Es darf keinen Fleck, keinen Zweifel geben.

Ein Haarriss in Liebe heißt: Keine Liebe. Man ist nicht eins mit der Welt.
Ein winziger Zweifel an Vertrauen heißt: kein Vertrauen. Man ist nicht eins mit dem Gegenüber.


Wir lernen von den Tieren, selbst Vertrauen haben. Vertrauen in uns und in den anderen, um mit Tieren wirklich in unserer gemeinsamen Welt zu kommunizieren.

Ein guter Freund von mir hat einmal gesagt: was du deinem Hund nicht gibst, kannst du von ihm nicht verlangen. So ist es. Es ist nicht materiell gemeint, du nimmst den Knochen an dich, wenn du willst, aber das Vertrauen, das musst du immer bereit sein zu schenken und immer bereit sein es einzufordern.

Dein Tier wird dich, deine Aufrichtigkeit und den Ernst deines Ansinnens in seiner Welt prüfen.

Es hat Wächter an den Toren zu seiner Ebene installiert.


Diese Wächter sind unbestechlich.

Nichts, was dich in der Welt der Menschen als gut oder wichtig erscheinen lässt, beeindruckt sie nur im geringsten.

Du musst dich klein machen, die Tore sind klein.

Du musst nackt sein und dich ganz ausliefern; in ihrer Welt gibt es keine Kleider, keine Äußerlichkeiten.


Es hilft zum Verständnis von Ökologie und tierischer Kommunikation, Mythen als Bildmuster zu nehmen. Sie sind archetypisches Zeugnis unserer selbst und der Welt an sich.


Die psychische Welt eines Tieres, das sozial vernetzt lebt, unterscheidet sich nicht komplett von unserer.

Lassen Sie bei dem Versuch, sich selbst einmal zu verstehen, Sprache weg. Was bleibt ihnen?
Bild.


C.G. Jung und Joseph Campbell sind die beiden Menschen, die uns lehren, diese Bilder zu entschlüsseln, in uns zu finden und auf sie (und damit uns selbst) zu vertrauen.


Wir sind nicht isoliert von Natur, wir sind mit ihr, mehr als nur ein Teil von ihr.


Das Wort trennt uns im Geiste.
Kommunikation mit einem Tier, soziale Sprache verbindet im Geiste.

Lässt ein Mensch sich ganz ein und akzeptiert er die Art, wie Ökologie funktioniert, akzeptiert er, Tier unter Tieren zu sein, dann erlaubt er sich, durch die Tore der Natur zu gehen. Die Wächter bleiben still, er muss niemandem beweisen, dass das, was er tut, richtig ist und sich nicht vor der Verantwortung durch rationale Begründungen drücken.


Ohne Vertrauen bleiben die Tore zu.

Nichts, kein Jammern und kein Wüten, keine Manipulation und keine Bestechung wird die Wächter erweichen.

Jede Spezies hat ihre Instinkthandlungen und Rituale, um neue Mitglieder in ihre Gesellschaft aufzunehmen.

Der Mechanismus ist der immer gleiche.
Der Neuling muss erst Distanz akzeptieren, den Raum, den die anderen brauchen, um ihre Gesellschaft zu bilden, sich ganz in ihre Regularien fügen.


Dann ist er herzlich willkommen und kann sozial sprechen.


Fragen werden beantwortet und jede Bitte erfüllt.


Geschenkt bekommt er nichts.


Natur ist kein Geschenk und auch kein Selbstbedienungsladen; was man nicht gibt, darf man nicht nehmen.

Für mich als Pädagogen ein Faszinosum.


Die Wächter der Tiere sagen mir, wie es um unser Inneres bestellt ist.
Ein kleiner Wolf fragt den kleinen Wolf in uns. Dessen Wächter beantworten Fragen.

Soziale Sprache hat zur Folge, dass alle daran Beteiligten das Beste bekommen, was man bekommen kann, egal wieviel es ist.


Alles ist im Kleinen enthalten.

Hubert Asam

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